Paul Rieken Häuer Contract von Meytag 1700 biß Dato 1703
Zu wißen sey hiemit, daß unten gesetzten Dato zwischen dem Hochwollgebohrnen Herrn, Herrn Joachim von Brockdorff Obristen und Erb-Herrn zu Depenau .Undt Pauel Riek dem Alten, folgender Häuer Contract beliebet undt geschloßen worden. Nemblich

1. Daß Verhäurer, Hochwollgernelter Herr abrister, erwehnten Dero Leibeigenen Unterthan Pauel Rieken das sogenannte avendorffer Glashütten Landt, so der Kleischmidt Detlev Leptin bißher beseßen, drey nacheinander folgende Jahren, alß von Meytag Anno 1700 biß wieder Meytag 1703. Welches Landt anfängt bey dem Hack vor den Köling Beck und in seiner Scheide fort gehet bis in die Häuerschären, dan weiter biß am avendorffer Teich, und so hinter dem Wohnhause hinweg an die Rümers Wischen, dan lengst die Dudendorffer Scheide bey Kummerfelts Landt herauff im so lengst Johann Rieken undt Claus Schlüters Köling biß wieder zu vorbenannten Hecke.

2. Hat der Häuersmann zu seiner Bewohnung das auf solchem Lande belegene Hauß, welches er manierlich bewohnen und für Feuer in sorgfältigster Obacht nehmen muß, zumahlen, da etwa durch sein oder der seinigen Verwahrlosung, durch Feuer, Schaden daran geschehen solte -welches aber Gott verhüten wolle -ist der Häuerling verbunden und gehalten, den Schaden zu erstatten. So hat er auch das Hauß in bauelichen Stande zu unterhalten, zu weßen Behufe ihm dan das benötigte Baue-Holtz von der Hogb.Herrschaft auß-u. angewiesen wirdt.

3. Was auff diesem Lande an Unterbusch in den Bröken und sonst noch UnauBgerodet ist, versprechen mehr Hogb.Hr.Obrister, so viel möglich undt die Zeit es leiden will, dann undt wann im Hoeft Dienst ausräumen zu laBen, hernach aber muB der Häuersmann es fürter rein halten und muB auf solche weise einmahl ausgerodet und gereiniget worden, nicht wieder zuwachsen laBen.Wie Er dan auch die Stubben, so bey gehaltener Nachzahlung auff acht hundert und vierzehn sich noch alda befunden nach aller Möglichkeit, insonderheit so weit er in seiner Häuer unter den Pflug kommt, auBgeroden und auB dem wege zu räumen gehalten ist.

4. Die Scheide am Dudendorffer Felde wirdt alten Herkommens nach im Hoeft Dienste järlich gezäunet und befriediget, den Rest aber, und was den angrenzenden Leuten auß Wankendorff nicht zu Zäunen bey kommt, muß der Häuerling selbst in Zaun halten .

5. Da auch gedachte Wankendorffer mit durchbrechen, ungebührliches reiten undt fahren über des Häuerlings Landt, ihm zu nahe kämen undt Schaden zufügeten, Versprechen der Hogb.Hr.Obrister auff klagenden Fall, den Übertreter in Straffe zu nehmen und dahin an zu halten, daß er den Schaden gut machen müße.

6. Daß Korn, so der Häuersmann in seiner Haußhaltung consumiret, es sey Rogken oder andere Sort, muß er Nirgendt anders alß auf hiesiger Mühle mahlen laßen, und da er in Übertretung deßen befunden würde, ist er der Hogb.Herrschaft willkürlichen Straffe unter würffig.

7. Gibt der Häuersmann Pauel Riek für diese Häuer Stelle zur Järlichen Pension 80 Rtlr.in guten vollgültigen dänschen Cronen, welche Achtzig Rtlr. Er negst kommenden Weynacht alß den 24ten Decembr. undt die folgende Jahren allemahl zu solcher Zeit, in einer Summa richtig und prompte erleget undt bezahlet, Maßen er sich zu solchem hiemit für sich undt seine Erben, bey Verlust undt Verpfändung aller seiner itzt habenden undt künfftig überkommenden beweg-Unbeweglichen Haab undt Güther auch unter körperlichen Einlegers Krafft, auff das allerbündlichste sich verpflichtet undt verschreibet, undt alle Exeptiones, Vorwandt undt Gegenrede,wie die auch Nahmen haben mögen undt immer erdacht werden können sich Krafft diesem begiebet, dergestalt, daß ihn undt seinen Erben, nichts alß verschriebener richtige bahre Zahlung schützen undt befreyen kann.

Uhrkundtlich ist dieser Häuer Contract Zweyfach gleichlautend verfertiget und von beiderseits Contrahenten mit deren Unterschrift undt Handtzeichen bekräfftiget worden.

So geschehen Depenau den 15.April Anno 1700

Gedanken Uwe Brauers:

[Die verhäuerte Stelle ist eindeutig zu lokalisieren. Vorher hat sie der Kleinschmidt Leptin besessen, der sicherlich bei der alten Dep.Glashütte arbeitete (und mit ihr weiterzog?) .Jetzt mußte das Land urbar gemacht werden. Vermutlich hatte auch Faul R. in irgend einer Weise der Hütte zugearbeitet und wurde nun mit dieser Stelle "belohnt". Es waren wohl Riecken-Familien vom Kielerkamp, die für die Hütte im Auftrage des Gutsherrn arbeiteten. Zu der Zeit war der Kielerkamp noch Hoffeld und sicherlich mit Hofkaten besetzt.]

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