Vertrag zwischen Joachim v. Brockdorf und Hanß Christoffer Riecken im Jahr 1700


Zu wißen sey hiemit, daß zwischen dem Hochwohlgeborenen He. Joachim von BrockdorffI Obristen und Erb-Herrn zu Depenau, und Hanß Christoffer Riek folgender Häuer-Contract beliebet und beschloßen worden. Als

1. ES Verheuren Hochwollgernelter Herr Obrister an gedachten Hanß Christoffer Riek drey nacheinander folgende Jahren, als vom Meytag Anno 1700 das zu Kielerkamp belegenes Krug Hauß mit den darzu gehörigen großen Hoeft hinter dem Hause, den sogenannt "Tm Hof" für (vor) dem Hause und die Koppel beym Krummen Teich. Dergestalt, daß er all dieses Landt, beides Acker und Wiese ...zu seinen best wissende Nutzen und Vorteil zu gebrauchen, und das Wohn Hauß für Feuer in sorgfältiger Obacht zu nehmen hat. Maßen, da etwa durch sein oder der seinigen Verwahrlosung und Versehen durch Feuer Schaden daran geschehen sollte -welches Gott aber in Gnaden verhüten wolle- ist der Häuersmann gehalten und verbunden, solches zu erstatten und gut zu machen.

2. Mit der angefangenen Reparirung des Hauses versprechen der He.Obrister, sobalt und vieleß immer möglich fortzufahren und hernach, so viel Fach und Dach anlangt, im bauelichen Stande zu unterhalten

3. Die Bezäunung oder Befriedigung vorbeschriebenen Landes muß d Häuerling beschaffen, ...so weit der Enrehms Zaun an dem Hoeft hinter dem Hause sich erstreckt, welcher järlich in Hoeft Dienst gezäunet wird.

4. Gleichwie der Häuers Mann bey seinem Antritt zwey Scheffel in die Erde gebrachtes winter Saht empfangen, und das Buchweitz Landt auß dem Dresch gebrochen vorgefunden, so muß er auch Bey All das Korn, welches er in seiner Haußhaltung consumiret, eß sey Rogken oder andere Sort, Nirgendt anderß als auf hiesiger Mühle mahlen lassen. Undt da derselbe in Übergehung diesem oder jenem befunden würde, ist er der Hogb.Herrschaft willkürlicher Straffe unterwürfig.

5. Gibt der Häuersmann Hanß Christoffer Riek für diese Häuerstelle Järlich 25 Rtlr. in guten Dänschen Cronen, welche Fünff u.Zwanzig Rtlr. Er Negst kommender Weyhnacht Namblich den 24ten Decembr. und folgends alle Jahr zu solche Zeit richtig und prompte in einer Summe bezahlet und abträget. Worzu Er sich dan hiemit für sich und seine Erben bey Verlust undt Verpfändung und künfftig überkommende beweg- undt unbewegliche Haab und Güter, auch unter körperlichen Einlegers Krafft bündtlichster Maßen verpflichtet und verschreibet. Alle Exceptiones, Vorwandt und Gegenrede, wie die auch Nahmen haben mögen und immer erdacht werden können, sich vermittelst diesem gibt. Dergestalt, daß Ihm undt seinen Erben nichts als verschriebene bahre Bezahlung schützen und befreyen kann. Uhrkundtlich ist diesem Häurer Contract in Duplo gleichlautendt verfertiget und MitteIst beiderseits Contrahenten Unterschrifft und beygesetzten Petschafften bekräfftiget worden.

Geschehen Depenau den 15.April Anno 1700

Hanß Christoffer Rieck


-----------------------------------------------------

Gedanken Uwe Brauers

In diesen Jahren wird der Kielerkamp, bis dahin zum Hoffeld gehörig und mit Hofkaten besetzt, in Häuerstellen umgewandelt. D dem Hans Christopher Riecken verhäuerte Stelle ist klar zu lokalisieren. Daß sie damals eine Krugstelle ist, verwundert auf den ersten Blick. Ein so abgelegener Krug macht keinen Sinn. Da aber die Depenauer Glashütte in diesen Jahrzehnten zwischen Löhndorf und Nettelau arbeitet, befindet sich dieser Krug in der Nähe vieler an der Glashütte beschäftigter Personen]
----------------------------------------------------

Kock, "Bilder aus dem Amt Wankendorf", S.30

Dero Königl. Majestät zu Dänemark und Norwegen p.p.Obrister zu Roß, Ich, Joachim von Brockdorff : gebe hiermit zu wissen, daß ich auf beschehene Vorsprache und Anhalten wie aus gewissen Motiven und Ursachen bin bewoget worden, Inhabern dises meines leibeigenen Untertanen Hans Chritopher Rieck seine Leibeigenschaft zu erlassen und freizugeben, allermaßen in dem hiermit und kraft dieses offenen Briefes mit gutem Willen und weisem Vorbedacht für mich und meine Erben solche seiner Leibeigenschaft erlassen und freigebe, dergestalt und also, daß weder ich und meine Erben von dato an einige Prätention (Forderung) oder Ansprache (Anspruch) an seine Person machen wollen oder können oder sollen, und er mit den künftigen Seinen ziehen, wohnen und sich setzen möge, wann und wo er will und es ihm gefällt. Demnach aber er, Hans Rieck, eine freie und der Leibeigenschaft unanverwandte Person heiraten wird, so halte (ich) mir expreß (ausdrücklich) vor, daß von den Kindern, so er in solcher Seiner Ehe hoffentlich zeugen wird, eines und zwar welches mir oder meinen Erben davon am besten.anstehet oder wählen oder haben wollen, es sei ein Knabe oder ein Mädchen, leibeigen und von Erben zu Erben der Leibeigenschaft verbunden sein soll. Jedoch soll sotanes Kind, wenn es beschriebenermaßen den Eltern abgenommen wird, nicht in der Dorfschaft unter den Haustüchten gebracht und als Bauer aufgezogen, sondern es soll auf den Hof genommen und mir oder meinen Erben zu Dienst und Aufwartungegroßgemacht und behalten werden. Oie übrigen Kinder aber seien und bleiben nebst ihm, dem Vater, frei wie wörtlichem Einhalt (Inhalt) vorerwähnt worden.

Urkundlich und zu unwiderruflicher Festerhaltung dessen habe ich diesen oIfenen Freibrief für mich und meine Erben eigenhändig unterschrieben und mitteIst beigebruckten(?) meines angeborenen adl. Petschaft (Siegel) bekräftigt.

Geschehen in meinem Hause. Depenau, den 13 September 1699

Brockdorff

----------------------------------------------------------------

Das Leben auf Depenau um 1700

nach dem Roman

Constantia von Cosel und August der Starke

von Gabriele Hoffmann Lübbe (1983)

S. 91 Die Stimmung auf Depenau ist schlecht. Das Verhältnis zwischen Gutsherrn und Leibeigenen hat sich weiter verschärft. Der Vater ist noch eigensinniger und strenger geworden. Nur einen Leibeigenen hat er frei gelassen, es ist schon drei Jahre her: Hans Christoffer Rieck bat um Erlaubnis, eine Freie zu heiraten. Der Vater gestattete es ihm unter der bedingung, "daß von den Kindern, so er in solcher Ehre hoffentlich zeugen wird, Eines und Zwar welches mir oder meinen Erben davon am besten anstehet und wählen und haben wollen, es sey ein Knabe oder Mädgen Leib Eigen sein sollen".

Startseite