Zu wissen sey hiermit, daß anheute zwischen Sr. Hochgebornen dem Königlichen Kammerherrn Ferdinand Grafen von Luckner, Erb- und Gerichtsherrn des adelichen Guths Depenau, an einem- und dem Insten Hans Christian Riecken der Jüngere am andern Theil folgender Häuer-Contract verabredet und geschlossen worden:

1) Es überlassen und verpachten Hochgedachter Herr Graf dem obgenannten Hans Christian Ricken der Jüngere zu Wankendorff einen Theil an dem auf dem Wankendorfer Dorfsfelde belegenen Insten-Land

2) den in dem Dorfe Wankendorff an Euch gelegenen Kohlhof welcher laut Erdbuch 1 2/16 Schipp halten soll

3) den Hofplatz und Hausstelle groß 1/16 Schipp welche er bis weiter umsonst erhält, und

4) die nothdürftige Feuerung, bestehend in einem Fuder allerley Busch-Abfall- oder Telgen-Holz, oder, in dessen Ermangelung, in einem Faden Knüppel-Holz von dem gewöhnlichen Maaße, und in einer Viertel Quadrat Ruthe Torf-Moor zum Ausstechen, welches ihm nach dem Loose angewiesen wird.

Hiervon dauert die Pachtzeit fünf nach einander folgende Jahre, von May-Tag 1806 bis dahin 1811

2) Vorbenannte Stücke hat Häurer während dieser fünf Jahre, unter Beobachtung der hier folgenden, von ihm eingegangenen Bedingungen, für sich gehörig zu nutzen und zu gebrauchen; aber er darf, ohne ausdrückliche Herrschaftliche Erlaubniß, Niemand anders davon etwas oder das Ganze überlassen, noch sonst damit oder daran eine Veränderung vornehmen, sondern, wenn er sie die ganze Pachtzeit über nicht behalten will oder kann, auch im Fall seines Absterbens während dieser Zeit, fallen sie der Herrschaft zu deren anderweiten Verfügung wieder anheim.

3) Bei Verlassung der Stelle, es sey in den so eben genannten Fällen, oder nach Endigung der hier bestimmten Häuer-Jahren, wird die Vergütung der Einsaat, des Pflug- und des Dünger-Fuhrlohns, nach ohnpartheyischer Abschätzung, hiermit dem Häurer oder resp. dessen Erben zugesichert, aber nichts für den Dünger selbst, und findet diese Vergütung auch dann nur Statt, wenn er diesen Contract in allen Puncten erfüllt hat.

4) Derjenige Inste, welcher hier einen Kohlhof zum Genuß erhält, muß denselben auf seine Kosten gehörig ungraben und bezäunen, in festem wehrhaften Stande wieder abliefern, auch in gutem Düngungs-Zustande unterhalten; für die Erhaltung der darin befindlichen Obstbäumen sorgen, bey deren Abgang junge wieder einsetzen und deren Fortkommen befördern.

5) Das Ackerland verpflichtet sich Häurer gut zu bedüngen landwirthschaftlich und nach der jetzigen Eintheilung in den gehörigen Saaten zu benutzen, die Aussen- und Binnen-Graben, erstere 5 Fuß- letztere 2 Fuß breit und verhältnismäßig tief, für seinen Theil tüchtig zu machen und den Wall mit Pathen zu bepflanzen, welche ihm auf sein Anfordern in der Hölzung zum stechen von Herrschafts wegen angewiesen werden.

6) Dem Häurer ist ausdrücklich verboten, von seinem Dünger weder an Guths-Einwohner, noch Nachbarn zum halben zu überlassen, oder unter irgend einem Vorwande zu verkaufen, zu vertauschen oder sonst zu veräussern, bey Strafe von fünf Rthlr. von jedem Fuder, wohin auch das Stroh gehört. Sonsten ist Häurer verbunden, den Gutshufenpächtern, wann die Herrschaft es verlangt, für Land-Bearbeitung und Fuhren folgende Bezahlung zu leisten: für Tonne jedesmal zu pflügen, mit Inbegriff des Eggens 16 ßl.

- 1 Fuder Mist aus- oder ein Fuder Torf einzufahren 6 -
- 1 Fuder Korn einzufahren - - 6 -
- 1 Fuder Heu oder Busch desgl. - - 12 -

er kann aber diese Fuhren nicht eher begehren, als wann der Hufner mit seiner Arbeit fertig ist.

7) Die Feurung betreffend, wird hier bedungen, daß Häurer Busch oder Holz, so wie den Torf sich anfahren lassen, den letztern zuvor selbst stechen und trocknen muß. Nicht nur bey einer allenfals erforderlichen Applanirung des Torf-Moors ist er ohnentgeldlich behülflich, sondern er verpflichtet sich auch beym Stechen zum bessern Nachwuchs eineinhalben Fuß tief im Grunde stechen zu lassen, auch zu gleichem Zweck nach vollendetem Stich, die anfänglich herabgenommene oberste Sode in die Kuhle wieder einzuwerfen; übrigens sich in Ansehung des Buschaufladens und des Torfstechens der Anweisung des Observations-Verwalters ohne Widerrede zu unterwerfen; auch muß er zufrieden seyn, wenn, bey eintretendem Mangel, es sey an Torf oder Busch, ihm für ein Fuder Buschholz 1500 Soden Torf zum Stechen wie oben -, oder für den hier zugesicherten Torfstich auf einer viertel Ruthe ein weiteres Fuder Buschholz angewiesen werden.

8) Häuer muß - wie sich von selbst versteht - alle allerhöchst-landesherrlichen Verordnungen befolgen, und - so wie alle Gebühren an Prediger und Küster, die ihm herkömmlich obliegen oder von einem Insten mit Recht gefordert werden können - also auch an den Schulmeister seinen Beitrag, er mag Kinder zur Schule schicken oder nicht, für jedes Kind mit acht Schilling jährlich entrichten.

9) Für die obenbeschriebene Nutzniesungen entrichtet Häurer jährlich auf Weihnachten:

für das Instenland 4

für den Kohlhof 2

und für die Feuerung 2

zusammen 8 Rthlr. - ßl. Schreibe acht Rthlr. - ßl. in Schlesw. Holst. Species Cour. Münze an die Guthsherrschaft oder wen sie dazu bestellt, mit welcher Zahlung er auf Weihnachten 1806 anfängt und die übrige Pachtzeit hindurch pünctlich fortfährt, widrigenfalls wenn er am nächst darauf folgenden May-Tag noch keine Zahlung geleistet haben sollte, er ohne den geringsten Widerstand oder irgend einiger Einrede sich gefallen lassen muß und will, am nemlichen Tage aus der Pacht gesetzt zu werden.

Ausser diesem Pachtgeld bleibt das Garn- oder Hedespinnen wie zuvor, nemlich 2 Pfund Flachs oder 5 Pfund Hede bey allen solchen Insten, welche bisher dazu pflichtig waren, also Häurer sich auch zu dem ihm beykommenden hierdurch versteht.

10) So wie Herr Verhäurer hiermit versprechen, den Häurer alle ihm hieroben eingeräumten Vortheile genießen zu lassen, so verbindet sich letzterer zur genauesten Erfüllung der dagegen übernommenen Verpflichtung, unter Verpfändung seines jetzigen und zukünftigen Vermögens; beide Theile entsagen allen Einreden und Rechtsbehelfen, wie sie auch Namen haben mögen, hierdurch wissentlich und wohlbedächtig, haben darauf zu dessen Versicherung gegenwärtigen, doppelt ausgefertigten Contract eigenhändig unterzeichnet und gegen einander ausgewechselt.

So geschehen Depenau den 15 ten October 1805.

Hans Christian Ricken

Quelle:Gutsarchiv Depenau, LAS Film 671, zugesandt von Volker Griese, Wankendorf.