Hugenotten, Zusammenfassung der folgenden Familien

Die Wurzeln reformierter Tradition reichen in Hameln bis in das 17. Jahrhundert zurück. Am 3. März 1690 kamen dreihundert Glaubensflüchtlinge aus Frankreich in Hameln an und gründeten die "Hugenotten-Gemeinde" mit eigenem "Tempel" und Pfarrhaus. Der letzte Eintrag in ihren Kirchenbüchern datiert aus dem Jahr 1853.

Böning, Wilhelm; Die französisch-reformierte Gemeinde in Hameln und ihre Bedeutung für die Stadt- und Familiengeschichte, in: Zeitschrift der Zentralstelle für Niedersächsische Familiengeschichte, Sitz Hamburg, Nr. 6/7 Juni/Juli 1931, S. 93 ff.:

"Etwa 200000 Hugenotten war es gelungen, über die Grenzen in protestantische Länder zu entkommen. Genf, Bayreuth und Erlangen waren ihre Sammelpunkte. In Erlangen war es ein gewisser Ponnier, der die Besiedelung Deutschlands mit Hugenotten leitete. Er trat in Unterhandlung mit dem Pfarrer Dubruc in Lausanne, der die ersten Hugenotten nach Hameln führte und hier ihr erster Geistlicher war. Sein Streit mit Ponnier endete zunächst mit dessen Verhaftung, die unter den Kolonisten die größte Bestürzung hervorrief. Ponnier ging nach Berlin; dort intrigierte er in gehässigster Weise gegen die Hamelner Kolonie.

Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, evang. Bischof von Osnabrück, hatte die Tochter Friedrichs V. von der Pfalz, des böhmischen Winterkönigs, zur Ehegemahlin, die selbst reformiert war. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass ihr Einfluß erheblichen Anteil an der Aufnahme der Refugiés in den lutherischen Landen des Herzogs hatte. Sei dem nun, wie es sei: der Herzog hat sich der unglücklichen Hugenotten jederzeit aufs herzlichste angenommen, ihnen seine Hilfe gewährt, wo er konnte und diese oft gegen den Willen und den passiven Widerstand des Magistrats und der Einwohnerschaft von Hameln durchgesetzt.

Wie kam nun der Herzog gerade auf Hameln? In seiner Deklaration der Privilegien, die in deutscher und französischer Sprache erschienen ist und bei der die deutsche Fassung den Sinn oft nicht klar erkennen lässt, spricht er von der schö-nen Lage, der guten Luft, den sonstigen gesunden Lebensbedingungen der Stadt. Diese Deklaration ist von dem geschäftstüchtigen Ponnier entworfen und der von Erlangen nachgebildet. In Wirklichkeit war es aber wohl der Um-stand, dass von allen Städten seines Landes er in keiner ein so unbedingter Gebieter war, wie von Hameln. 1688 war dem Magistrat ein sehr großer Teil seiner im ständigen Kampfe mit dem Stifte erworbenen Rechte genommen und an die Spitze der Stadt der Stadtschulze, ein herzoglicher Beamter, der fast die ganze Verwaltung führte, gesetzt. Mit den günstigen Handelsbedingungen hatte es wohl auch seinen Haken. Als mehrere Häuser in der kleinen Straße abbrann-ten, war es bei der allgemeinen Armut nicht möglich, sie wieder aufzubauen. Hier musste der Fiskus eintreten und die Häuser auf seine Kosten erbauen. Dann erfüllte der Herzog aber auch nicht allein ein Gebot der Menschenliebe, son-dern er suchte mit Begründung der Kolonie neue Gewerbe in sein Land zu bringen. Es waren auch fast nur Gewerbetreibende (Manufacturiers) und deren Gehilfen, die angesiedelt wurden. Der einzige Landwirt namens Dupré, war Pächter in Hämelschenburg. Andere Berufe wurden zurückgewiesen, doch befanden sich als notwendige Übel dabei: ein Arzt Robergue, ein Apotheker Ribergues, ein Perückenmacher und zwei Kirchendiener (ecclésiastiques). Unter den Emigranten war ein Arzt Dr. Ancillon, der mit dem Kolonierichter Milas einen lächerlichen Streit hatte, weil er in der Kirche auf einen besseren Platz Anspruch machte als Milas; mit der Begründung, er habe akademische Bil-dung und außerdem viele vornehme Verwandte in hoher Stellung in Frankreich.

Der Kolonie und den Kolonisten wurden alle möglichen Freiheiten und Vorrechte gewährt. Diese Tatsache forderte natürlich den Neid der alten deutschen Bevölkerung heraus. In erster Linie war es die freie, öffentliche Ausübung der Religion, die in wöchentlich drei Gottesdiensten bestand und jährlich viermal Ausübung des Abendmahls; die Fremden waren einem besonderen herzoglichen Beamten unterstellt, hatten einen eigenen Richter, erhielten zehn Jahre freie Wohnung und waren in den ersten Jahren steuerfrei abgesehen von einer für die damaligen kläglichen Zeiten nicht un-erheblichen geldlichen Unterstützung, die ihnen beim Erwerb von Grundstücken und bei der Erbauung von Häusern zuteil wurde.

In der Kleinen Straße, die damals "La rue francoise" hieß, gingen viele herrschaftliche Häuser, d. h. die, welche Eigen-tum des Herzogs waren, in den Besitz der Kolonisten über. Diese waren zuerst in den Baracken (Kasernen) untergebracht. Hier war ihnen auch ein Betsaal eingerichtet. Da sich dieser jedoch als zu klein erwies, ging man sehr bald zum Bau einer Kirche und der Pfarrhäuser über, nachdem der Herzog zunächst die Garnisonskirche zur Verfü-gung gestellt hatte. Zur Kirche lieferte der Herzog Steine, Kalk und Holz, und zum Umbau eines verlassenen Hauses zur Schule gab er an Stelle der Materialien eine Geldunterstützung. Bei der Neueinrichtung der Kirche wollte man neben den bevorzugten Plätzen für die Anciens noch solche für vornehmere Gemeindemitglieder aufstellen. Dieser Plan wurde von drei Männern auf das heftigste bekämpft: Gaze, Meissonier und Valescure. Sie waren der Ansicht, dass in der Kirche alle Glieder gleich seien. Dieser Streit musste erst durch eine Synode geschlichtet werden, zu der Celle, Bückeburg und Hannover Vertreter entsandten.

Der Stadtschulze Menke Rechtern und der Bauschreiber Meyer sorgten redlich für die Fremden. So erwarb Rechtern für billiges Geld 44 Quadratruten Land zur Anlage eines eigenen Friedhofes, damit die Toten nicht mehr die Gast-freundlichkeit der Garnison in Anspruch zu nehmen brauchten. Der Friedhof war dort, wo heute der große Gasometer steht.

Zu den Alteingesessenen war das Verhältnis nicht allzu freundlich. Es standen sich zwei fremde Welten gegenüber, und wenn auch die Politik der Nadelstiche, die die Bürgerschaft und der Magistrat anwandten, immer wieder durch fürstli-chen Eingriff gemildert wurde (z.B. dass man den Toten einen Ruheplatz verweigerte) - ein inniges Verhältnis ist nie zu Stande gekommen. Es ist ergötzlich zu lesen, wie erstaunt der brave Bürger dem nicht einwandfreien Lebenswandel der Franzosen gegenüberstand, die aber sonst immer wieder eine tief innere Gottesfurcht und Religiosität zeigten. Wie-derholt musste die Regierung mit scharfen Edikten gegen ihre Spielwut vorgehen, und sie machte Rechtern und Meyer schwere Vorwürfe, dass sie nicht genügend aufpassten. "Diese Leute, "schreibt einmal der jüngere Rechtern, "leben in den Tag hineine, trinken kein Bier, sondern nur Wein, essen nur Weizenbrot und trinken sogar zweimal des Tages Kaf-fee." Trotz dieses für Hameln so üppigen Lebens kamen die Franzosen zu erheblichen Wohlstand. Sie waren fleißig und lieferten gute Waren, feine Stoffe, Spitzen, Bänder, fein gewebte Strümpfe und Seidenhüte. Mit diesen Erzeugnis-sen bezogen sie die großen Messen in Braunschweig, Leipzig und Frankfurt. Mit dem wachsenden Wohlstand schwanden aber leider immer mehr die einfachen Sitten der Väter. Unter der Jugend griffen Kleiderluxus und "noble Passionen" mehr und mehr um sich. Man braucht nur die Akten des städt. Archives zu durchstöbern, und man kann leicht einen wesentlichen Unterschied zwischen Lebensanschauungen der fremden Gäste und des Wirtsvolkes feststel-len."

Hameln, Kurfürstentum Hannover, Flick, Andreas, Niederlassung der Hugenotten in Norddeutschland, in: Zeitschrift für Niederdeutsche Familienkunde, Jahrgang 78, Heft 4/2003, S. 139-140:

"In der rund 50 km südwestlich von Hannover an der Weser gelegenen Stadt Hameln leben gegenwärtig rund 59 000 Einwohner. Die dort entstandene Hugenottenkolonie war anders geartet als die in Celle oder Lüneburg. Nicht der Hof oder das Militär, sondern Arbeiter und Handwerker prägten hier das Bild der französisch-reformierten Zuwanderer. Sie waren in der Strumpf-, Tuch-, Hut-, Tapeten- oder Lederindustrie tätig. Tonangebend waren die Südfranzosen. In Hameln entstand anders als in Celle, Lüneburg und Hannover sogar neben einer kirchlichen auch eine weltliche Organisationsform mit eigener Koloniegerichtsbarkeit.

Auch wenn wir schon in den 80-er Jahren des 17. Jahrhunderts einzelne Hugenotten in Hameln finden können, bildete eine Gruppe von 102 Personen, die 1690 mit ihrem Prediger Dubruc ankamen, die Basis der dortigen Kolonie. Krankheit, Tod und fehlendes Durchhaltevermögen hatten die mit 200 Personen in Lausanne aufgebrochene Gruppe jedoch stark dezimiert. Die Glaubensflüchtlinge fanden zunächst in einer Kaserne am Ufer der Weser Unterkunft. Von dieser provisorischen Bleibe zogen die Franzosen in leer stehende Bürgerhäuser um.

Auf Befehl des Kurfürsten Georg Ludwig kaufte man für sie zwei Grundstucke, auf denen ein temple und das Pfarrhaus errichtet wurden. Anders als in Celle durfte dieser temple jedoch wie eine Kirche aussehen. Sie verfügte über einen Dachreiter mit Glocke.

Am 19. November 1699 übergab man der Gemeinde die Kirche und das Pfarrhaus. Die Hamelner Kolonie war eindeutig die größte in den welfischen Landen. 1697 lebten in ihr 500 bis 600 Hugenotten. Doch schon bald schrumpfte ihre Anzahl. 1715 waren es 360, 1754 noch 159 und 1817 nur noch 30 Franzosen. 1853 erlosch der nur noch glimmende Docht der Hugenottengemeinde.

Dagegen war die Zahl der deutschen Reformierten bereits 1725 auf rund 250 Personen angestiegen. Die Gründung einer eigenen Gemeinde wurde ihnen jedoch von Georg I. verwehrt. Ein der deutschen Sprache mächtiger Hugenottenprediger nahm sich ihrer an. Nach dem Tode des Predigers Jean Gabriel de Convenant im Jahre 1809 hatte man auf die Neuanstellung eines französisch-reformierten Pfarrers verzichtet. Napoleonische Truppen richteten in der Kirche ein Magazin ein, Kanzel und Bänke wurden herausgerissen und die Orgel zerstört. Das Gebäude kam schließlich in die Hände der Stadt. Es diente als Scheune, als Ort für Bajonettierübungen fur die Hamelner Garnison, als Turnhalle und zuletzt als Stadtkirche.

Bedauerlicherweise wurde die ehemalige Hugenottenkirche im Mai 1973 abgerissen. Allein das alte Pfarrhaus blieb als ,,Hugenottenhaus" stehen. 1901 entstand in Hameln wieder eine Evangelisch-reformierte Gemeinde, deren Kirche und Gemeindezentrum an der ,,Hugenottenstraße" liegen."

Stubenvoll, Willi: Die deutschen Hugenottenstädte, Frankfurt am Main 1990, ISBN: 3524690939, S. 181:

"Als Hauptort für die Ansiedlung hugenottischer Manufakturisten bestimmt Herzog Ernst August von Braunschweig-Hannover die Stadt Hameln. Der Herzog, seit 1692 Kurfürst, ist mit der kurpfälzischen Prinzessin Sophia verheiratet, die ihren Einfluß zugunsten der Reformierten geltend macht. Ernst August beauftragt den "Allerweltskoloniedirektor" Jean Pierre de Ponnier in Hameln eine französische Kolonie zu gründen. Dieser wirbt in der Schweiz Ansiedler. Am 2. März 1690 treffen 200 Hugenotten unter Führung ihres Pfarrers Dubruc in der Stadt ein. Sie erhalten in der "Declaration" vom l. August 1690 weitgehende Rechte und Freiheiten. Die von den Kolonisten betriebenen Tuchmanufakturen erfreuen sich bald eines guten Rufes. Um die Zeit der Ansiedlung liegen in Hameln 95 Hausstellen wüst oder verlassen, auf denen die Einwanderer ohne Mühe untergebracht werden können. Eine Erweiterung der Stadt findet somit nicht statt: Neu errichtet werden nur einige Fabrikgebäude und Baracken."

Aubanalle

1277 Jeanne Aubanalle,
* um 1650 in Sommieres/Languedoc (Frankreich), + Hameln 20.12.1710, im März 1690 von Bayreuth kommend nach Niedersachsen eingewandert, die Familie bestand zu diesem Zeitpunkt aus der Mutter und 4 Söhnen, (Q 53),
oo Pierre Pourriol

BreryQ 81

2559 Sara Brery, aus Frankreich geflohen wegen der Hugenottenverfolgung, um 1695 oo Abraham Friol

Friol, Q 81

1279 Judith
oo1 Elie Jobert ist am 16.1.1687 im Alter von 45 Jahren in Erlangen gestorben.
Witwe Judith geb. Friol heiratete in
2. Ehe am 13.8.1687 in Erlangen Nicollas Simond, menuisier (= Tischler, Schreiner) aus Sassy, diosese de Meaux in Frankreich,
Sohn des verstorbenen Jean Simond und seiner Frau Elizabet geb. Golluche, wohnhaft in Baiersdorf.
Judith Friol war die Tochter des verstorbenen Abraham Friol und seiner Ehefrau Sara, geb. Brery. Die entsprechenden Auszüge aus den Kirchenbüchern der französisch-reformierten Gemeinde Erlangen bekommen Sie im Landeskirchlichen Archiv Nürnberg, Veilhofstraße 28, 90489 Nürnberg. Das Stadtarchiv Erlangen besitzt ein Notariatsprotokoll, das im Vorfeld der Eheschließung Nicollas Simond/Judith Jobert geb. Friol am 26.7.1687 in Erlangen bei Notar Joseph Meynier abgeschlossen wurde (Signatur: Stadtarchiv Erlangen 33.Nr.2.M.3, S. 37 - 38 Rückseite).

2558 Abraham
oo Sara Brery

Jobert, Q 81

Die Wurzeln reformierter Tradition reichen in Hameln bis in das 17. Jahrhundert zurück. Am 3. März 1690 kamen dreihundert Glaubensflüchtlinge aus Frankreich in Hameln an und gründeten die "Hugenotten-Gemeinde" mit eigenem "Tempel" und Pfarrhaus. Der letzte Eintrag in ihren Kirchenbüchern datiert aus dem Jahr 1853.

639 Marie Jobert, * um 1677 Metz, + Hameln 27.5.1757 90 jährig, (Q 53)
oo Hameln 21.6.1696 Jean Pourriol

KINDER:
Elisabeth, siehe AT.-Nr.319
Etienne, Uhrmacher lt Lebenslauf des Erythropel,

Q 72: Tuchfabrikant aus Sommières/L., in Hameln 1690 registriert, + Hameln 22.7.1712, älter als 36 Jahre,
oo Hameln 30.11.1696 Jeanne Cabanis aus Prades/Cevennen

Q 72 führt als weitere Kinder auf: Pierre, Jean, Etienne, Isaac
Erythropel:
Louis, Juwelier
Claude, Knopfmacher
Jaques, Handschuhmacher
Antoinette, oo mit Zumbergen, Pastor in Jemke/Amt Gifhorn, (Q 18)
Q 42: Johann Heinrich zum Berge, * 24.5.1752 in Hannover, Vater Tuchmacher, vormals Kandidat, 1778-1798 Pastor in Jembke, 1798-1825 Pastor in Sülfeld, + 14.3.1825

1278 Elie Jobert, Tuchmacher aus Roybon/Dauphine in Frankreich, + Erlangen im Hungerwinter 1687 (Q 53), + 15.1.1687 45-jährig, (Q 72)
Q 81:
Elie Jobert ist am 16.1.1687 im Alter von 45 Jahren in Erlangen gestorben. Seine Witwe Judith geb. Friol heiratete in 2. Ehe am 13.8.1687 in Erlangen
Nicollas Simond, menuisier (= Tischler, Schreiner) aus Sassy, diosese de Meaux in Frankreich,
Sohn des verstorbenen Jean Simond und seiner Frau Elizabet geb. Golluche, wohnhaft in Baiersdorf.
Judith Friol war die Tochter des verstorbenen
Abraham Friol und seiner Ehefrau Sara, geb. Brery.
Die entsprechenden Auszüge aus den Kirchenbüchern der französisch-reformierten Gemeinde Erlangen bekommen Sie im Landeskirchlichen Archiv Nürnberg, Veilhofstraße 28, 90489 Nürnberg.
Das Stadtarchiv Erlangen besitzt ein Notariatsprotokoll, das im Vorfeld der Eheschließung Nicollas Simond/Judith Jobert geb. Friol am 26.7.1687 in Erlangen bei Notar Joseph Meynier abgeschlossen wurde (Signatur: Stadtarchiv Erlangen 33.Nr.2.M.3, S. 37 - 38 Rückseite).
oo Judith Friol

Pourriol

319 Elisabeth, * 9.8.1721 in Hameln, + 13.4.1785 in Hannover als Witwe, mindestens 7 Kinder, (Q 45, 53), oo fr.ref. 3.11.1743 in Bückeburg (Q 45) Thomas Adam(s), Uhrmachermeister und Ältester der franz. reformierten Gemeinde in Hannover

638 Jean Pourriol, * um 1675 in Sommieres/Languedoc, Ort am Fuß der Cevennen in Frankreich, + 22.10.1739 Hameln, Sergeweber (Futterstoffweber) (Q 53, 74)

1690 kamen die Hugenotten in Hameln an, es fehlte an Unterkünften, und es wurden Baracken errichtet unter Heranziehung von Soldaten. Bauholz und weitere Materialien für die gegründeten Manufakturen wurden beschafft. Im Februar erschien Jean Pourriol, Zeugmacher aus Sommière, der seiner Mutter und drei weiteren Brüdern den Weg bereitete.(Q 69, S.262 Nr 113)

Die Anfänge des Wirtschaftslebens in der Kolonie war durch Güterknappheit gekennzeichnet. Angehörige reisten durch das Reich, um Fehlendes einzukaufen. So hielt sich Pourriol im Juli 1690 in Sachsen auf, um Qualitätswolle zu beschaffen." Außer den erfahrenen französischen Zeug-,Tuch- und Strumpfmachern wurden von Anfang an auch deutsche Spinnerinnen und Weber beschäftigt, teils städtische Lohnarbeiter, teils solche, die in den hämelschen Dörfern lebten und als Verlagsarbeiter gelten müssen." (Q 69, S 58 - 59).

"Die Gebrüder Pourriol beschäftigten 1690 bereits 15 deutsche Spinnerinnen neben 5 französischen "fileuses" und 8 "ouvriers". (Q. 69, S. 265, Nr. 188)

"Um die Konfektionierung ihrer Produkte zu sichern, schlossen einige der Manufakturisten angesichts der sich verzögernden Fertigstellung der Koloniefärberei offenbar einen Vertrag mit dem aus Schweinfurt zugezogenen Färber und Tuchscherer Georg Balthasar Rudolph ab, der auch bald verwandtschaftliche Beziehungen zu den Franzosen knüpfte." Konzept eines Vertrages zwischen dem genannten Rudolph und Manufakturisten." u.a. auch Pourriol vom 9.9.1690. (Q 69, S.266 Nr. 197)

"Das Bemühen um Ausgleich und inneren Frieden spiegelte sich in der Zusammensetzung des Presbyteriums: Hier achtete man auf zunächst auf einen gewissen landsmannschaftlichen Proporz, aber auch auf eine gleichmäßige Beteiligung der verschiedenen Gewerbezweige. Arbeiter waren unter den neun "anciens", die am 14. Mai amtierten, freilich nicht vertreten." Das "consistoire" bestand am 14.5.1690 u.a. auch aus Pierre Pourriol, aus Sommières, Languedoc, Tuchfabrikant. (Q 69, S. 71, 268 Nr. 269)

"Die mittlerweile 12 "anciens", je zu einem Viertel Kaufleute, Manufakturisten, Gerber und Handwerker repräsentierten die "chefs de la colonie" und suchten ihre soziale und politische Führungsrolle auch im Bereich der Kirche ungeschmälert durchzusetzen." Am 15.10.1690 befanden sich im Presbyterium u.a. Pierre Pourriol, Tuchfabrikant/Kaufmann. (Q 69 S. 71, S. 270 Nr.296)

oo Hameln 21.6.1696 Marie Jobert

KINDER:
Elisabeth, siehe AT.-Nr.319
Etienne, Uhrmacher lt Lebenslauf des Erythropel
Q 72: Tuchfabrikant aus Sommières/L., in Hameln 1690 registriert, + Hameln 22.7.1712, älter als 36 Jahre, oo Hameln 30.11.1696 Jeanne Cabanis aus Prades/Cevennen

Q 72 führt als weitere Kinder auf: Pierre, Jean, Etienne, Isaac
Erythropel:
Louis, Juwelier
Claude, Knopfmacher
Jaques, Handschuhmacher
Antoinette, oo mit Zumbergen, Pastor in Jemke/Amt Gifhorn, (Q 18)
Q 42: Johann Heinrich zum Berge, * 24.5.1752 in Hannover, Vater Tuchmacher, vormals Kandidat, 1778-1798 Pastor in Jembke, 1798-1825 Pastor in Sülfeld, + 14.3.1825

1276 Pierre Pourriol, aus Frankreich zugewandert aufgrund der Hugenottenverfolgung, + vor 1690, (Q 53)
oo Jeanne Aubanalle
Kinder (Q 74):
Isaac Pouriol, Tuchfabrikant, + 1721
Pierre Pouriol, Kaufmann
Jean Pouriol
Etienne Pouriol, + 1712

lt. Schuberts Trauregister gab es bis einschl. 1750 folgende Trauungen in der Franz.-reformierten Kirche zu Hameln


Pouriol, Pierre / Sommières en Languedoc, Gard oo 03.02.1691 Morlot, Suzanne Catherine / Montbéliard
Pouriol, Jean, V: +Pierre, M: Jeanne Auboriel / Sommières en Languedoc oo 21.06.1696 Jobert, Marie, V: Hély ?, M: Judit Frioh / Metz
Pouriol, Isaac / Sommières, Lang. oo 04.06.1706 Redel, Anne / Villeperdrix, Dauphinée
Pouriol, Antoine oo 14.10.1731 Bertrand, Louise
Alram, Antoine / Vabre, Diocese de Castre / tondeur oo 24.03.1703 Aubanel, Marie / Sommières, Lang